Das Goethe Institut berichtet

23.11.2016 – Das Goethe Institut berichtet über Junges Design in Halle:

„Manchmal bin ich mir nicht wirklich sicher, ob ich in Zukunft das studieren kann, was ich studieren will, oder dahin gehen kann, wo ich möchte. Zum Beispiel in Richtung Kunst. Da weiß man wirklich nicht, ob einen die Leute annehmen, weil (klatscht hörbar in die Hände): ‚sehbehindert‘. Das ist nicht so einfach.“ So erzählt es die 16-jährige Henriette Schöttner, die in Halle die 11. Klasse einer „ganz normalen Schule“ besucht – obwohl ihre Sehkraft nur zwischen 10 und 20 Prozent liegt. Henriette ist eine der Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, die die Kommunikationsdesignerin Antje Mönnig aufsuchte, um das Buch Unmöglich. Aber machbar. Inklusion für blinde und sehbehinderte Schüler zu realisieren. Es verbindet Faktenwissen um die gegenwärtige Situation sehbehinderter SchülerInnen im Bildungsalltag und -system mit persönlichen Stimmen, wie der von Henriette. Das Abschlussprojekt Mönnigs im Studiengang Editorial Design unter Betreuung der Professorin Anna Berkenbusch wurde 2016 in der Deutschen Zentralbibliothek für Blinde (DZB) Leipzig publiziert.

Im Buch finden sich neben den Gesprächen mit sehbehinderten Schülerinnen die Ergebnisse der Recherchen Mönnigs zur Unterscheidung von Inklusion und Integration, zu Typografien, die für Sehbehinderte besonders gut lesbar sind. Es umfasst Diskussionen zu verschiedenen Schulmodellen und zahlreiche Abbildungen von Hilfsmitteln für den Unterricht, von denen viele den Einfallsreichtum der Lehrkräfte bezeugen, die kaum auf vorhandenes Material von Schulbuchverlagen zurückgreifen können. Ein nützliches wie aufwendiges Buch, dessen Gestaltung weitere Verständniswege neben der Textinformation erschließen soll: Der schwarze Einband, mit Brailleschrift versehen, auch Folien im Innenteil, die das Lesen beeinträchtigen und verschiedene Seheinschränkungen simulieren, schaffen den Lesenden Zugänge auf der Ebene der Erfahrung. 2014 erhielt Unmöglich. Aber machbar. den Designpreis der Hochschule für das engagierteste Anliegen. (…)